Immobilien suchen Immobilien anbieten Ratgeber
Homestories
  • Anna Ausserer
    Es schneit und schneit an den ersten Tagen, nachdem Anna Ausserer, die erste Bergschreiberin vom Hochzillertal, am 10. Dezember Position bezogen hat. Frischer Powder ohne Ende bedeckt die Pisten. Zehn Tage lang begibt sie sich im Skigebiet auf die Suche nach Geschichten, die der Berg zu bieten hat.
  • Sven Regener
    Eine Homestory mit Element Of Crime-Sänger und Erfolgsautor Sven Regener? Keine Chance! Er findet das „nuttig“ und philosophiert hingegen viel lieber über die Vermischung von Kunst und Politik, Erfolg, Superstar-Ambitionen und Zukunftspläne.
  • Astrid Hartmann
    Meilenweit entfernt vom architektonischen Mainstream- so kann man das „Haus Hartmann“ in Wörgl beschreiben. Minimalismus ist das Credo von Astrid Hartmann und ihrem Mann Wolfgang Tröger. Dennoch verstehen beide ihr Haus als Teil und Ergänzung der Inntaler Landschaft.
 Quelle: Sven Regener

 Quelle: Sven Regener

 Quelle: Sven Regener

„Es tut ganz gut, sich einmal hängen zu lassen“

Julia Hitthaler  05.02.2010

| More

Eine Homestory mit Element Of Crime-Sänger und Erfolgsautor Sven Regener? Keine Chance! Er findet das „nuttig“ und philosophiert hingegen viel lieber über die Vermischung von Kunst und Politik, Erfolg, Superstar-Ambitionen und Zukunftspläne.

immotion: Wie erfolgreich wollen Sie als Künstler sein?

Sven Regener: Es kommt nicht darauf an, was ich will, das ist nicht steuerbar. Man tut was man kann, die Skala ist nach oben offen. Erfolg ist aber eine gesellschaftliche, keine musikalische Kategorie. Das darf man dann auch nicht persönlich nehmen. Es ist eine tolle Sache, von Rock-Musik leben zu können, ohne sich tot zu machen. Unter den eigenen Augen muss man bestehen, der Rest ist nur Betriebswirtschaft

immotion: Element Of Crime gibt es inzwischen seit 25 Jahren. Ist das immer noch ihr Traumberuf?

Sven Regener: Ja, klar. Sonst wäre ich nicht hier. Ich würde aber sagen, dass ich zwei bis drei Jobs habe. Rockmusik ist ein Teil davon. Das tue ich gerne und man muss ja auch nicht besonders viel tun (lacht). Das ist ein Irrtum.

immotion: Können sie noch unbehelligt mit der U-Bahn fahren?

Sven Regener: Wirkliche Fans lassen einen in Ruhe. Die Gesichtsbekanntheit kommt vor allem vom Fernsehen. Wenn man die Prominenz nicht will - und ich bin kein großer Fan davon - dann darf man sein Gesicht nicht so oft in die Kamera halten. Die Musik von Element Of Crime war aber nie Allgemeingut. Nichts, was man kennen muss, wie z. B. „Die Toten Hosen“. Das hält einem die Knalltüten vom Leib.

immotion: Sie haben also keine Superstar-Ambitionen?

Sven Regener: Das ist toll, wenn man 23 ist. Dafür bin ich zu alt und ich finde es auch wenig attraktiv. Wir sind eine Band, da ist das ohnehin weniger personalisiert. Man kann außerdem auch verhindern, dass man ein Superstar wird. Nicht einmal der dümmste Rockmusiker würde einen Journalisten daheim empfangen. Das ist „nuttig“. Literaten hingegen sind da viel bereitwilliger. Das fällt nur keinem auf.

immotion: Was spricht dagegen?

Sven Regener: Ich will nicht jedermanns Eigentum sein und würde mich nie an meinem Schreibtisch oder vor meiner Bücherwand fotografieren lassen.

immotion: Sie haben Fans aus allen Altersschichten. Warum wird Ihre Musik dann nicht öfter im Radio gespielt?

Sven Regener: Ich bin nicht der Meinung, dass ich darauf Anspruch habe. Radio ist keine Jukebox. Jeder soll die Musik hören, die ihn interessiert.

immotion: Was war bei Ihnen zuerst da, das Texten oder die Musik?

Sven Regener: Ich war Trompeter. Das ist im Bereich der Rock-Musik naturgemäß schwierig. Wir hatten dann eine andere Band mit einem anderen Sänger. Irgendwann hab ich mir das überlegt. Wenn man singen will, braucht man schließlich einen Text. Ich habe geschaut, ob es geht. Letztlich wollen wir die Songs haben und etwas Gültiges schaffen.

immotion: Wie geht die Band an das Songs-Schreiben heran?

Sven Regener: Wir schreiben immer zuerst die Musik. Das sind die Gefäße, in denen die Geschichte schon drinsteckt. Man braucht diese dann nur noch zu befüllen.

immotion: Die Songtexte sind oft sehr poetisch, ironisch, tiefgründig. Was ist Ihr Antrieb - wollen Sie nur unterhalten oder auch bewegen?

Sven Regener: Mein Antrieb ist es, Musik zu machen. Es geht mir um das Kunstwerk. Wenn die Leute das zum Bügeln hören, dann ist es mir auch recht. Kunst muss ohne Beipackzettel funktionieren und aus sich selbst heraus existieren können. Interpretationen zu liefern ist nicht meine Aufgabe. Ich bin kein Kontrollfreak, der den Leuten sagt, wie sie das zu verstehen haben oder sie belehren will. Wir sind hier ja nicht auf der Volkshochschule. Es ist auch ein Irrtum zu glauben, dass Kunst vor allem zur Eigentherapie da ist. Man kann das machen, die Frage ist nur, wie viel das den anderen noch bringt.

immotion: Was braucht ein guter Song?

Sven Regener: Liebe, Drama und Wahnsinn. „Immer da wo du bist bin ich nie“ (der Titelsong des neuen Albums, Anm.) hat das zum Beispiel alles.

immotion: Manche Musiker vermischen gerne Musik und Politik. Was halten Sie davon?

Sven Regener: Nein, dafür nehme ich Politik zu ernst. Bei einer Vermischung ist schnell Manipulation im Spiel. Es ist Populismus, da es die Leute bei ihren Gefühlen nimmt. Bei Politik geht es Debatte, Argumente, Toleranz, ausreden lassen oder Demokratie. Das alles spielt in der Kunst keine Rolle. Die Kunst ist der Politik aber nicht untergeordnet. Ist die Welt unpolitisch geworden, steht nichts mehr in der Zeitung, sodass man das jetzt auch noch singen muss? Dem liegt einfach ein fundamentaler Irrtum zugrunde. Musiker sind als Politiker höchstens Amateure. Mit ein paar Slogans ist es schließlich nicht getan.

immotion: Warum zeigen sich dennoch so viele Musiker in der Politik so engagiert?

Sven Regener: Ich glaube, Rockmusiker, die sich für die Entschuldung der Dritten Welt einsetzen, langweilen sich. So schaffen sie es halt jenseits ihres künstlerischen Tuns in die Zeitung. Zwar nicht in den Feuilleton sondern nur unter Vermischtes, aber immerhin. Natürlich ist auch eine große Portion Wichtigtuerei dabei. Rockmusiker haben einfach zu wenig zu tun. Die ganzen Drogenprobleme kommen ja auch von der Langeweile.

immotion: Sie sind ja auch erfolgreicher Roman-Autor, haben von „Herr Lehmann“ über 2 Mio. Stück verkauft. Wird man von Ihnen als Autor bald wieder etwas lesen?

Sven Regener: Ich will mich da nicht festlegen. Habe ich eine gute Idee, dann schreibe ich ein Buch. Aber Musik macht man immer. Da macht es auch nichts, wenn man die gleichen Sachen immer wieder spielt. Das macht einfach Spaß.

immotion: Wie sind die Zukunftspläne?

Sven Regener: Pläne heißen bei mir ungelegte Eier. Im kommenden Jahr werden wir wohl noch eine Tour machen. Irgendwann kommt dann die Verfilmung von „Der kleine Bruder“.

immotion: Bekommt man auf Tour von den Städten in denen man spielt viel mit?

Sven Regener: Eine Tour ist wie ein Tunnel und das Licht ist erst das Konzert am Abend. Man sieht einen Ausschnitt der Städte. Nur eben einen anderen, wie Touristen.

immotion: Sind Sie ein Mensch, der „im Jetzt“ lebt?

Sven Regener: Ich versuche, das wiederzubekommen. Während der „Lehmann-Trilogie“ war ich über Jahre verplant. Es tut ganz gut, sich einmal hängen zu lassen, nicht zu wissen, was ich im nächsten Jahr alles tun werde. Den Rest lasse ich kommen. Fleiß bringt in der Kunst ja auch nicht viel.

Fotos: Sven Regener

Abhängen im Flederhaus
Raus aufs Land
Wohnungspreise AT und DEU