Betörende Düfte, Farbenpracht und üppige Vegetation wo der Blick auch hin streift. Es gibt Gärten, bei deren Betreten glaubt man ins Paradies gelangt zu sein. Renaissance-Gärten in Italien, millimetergenau getrimmte englische Varianten oder verträumt-orientalische Exemplare. So unterschiedlich wie die Länder, sind auch die Gärten. Man muss aber nicht zwangsläufig um die ganze Welt reisen, um all das genießen zu können.
Große botanische Gärten bieten einen Streifzug durch unterschiedlichste Beispiele von Gartenarchitektur und Pflanzenwelten – von traditionell bis futuristisch, von einheimisch bis exotisch. Viele Anlagen haben eine jahrhundertelange Geschichte. Vergangene Herrscher haben viel Geld in Errichtung und Pflege investiert. Heute sind sie beliebte Ausflugsziele und für die Bevölkerung zugänglich. Botaniker, Hobbygärtner, Pflanzenliebhaber – sie aller werden an den vier ausgewählten Gärten ihre Freude haben.
Insel Mainau
Mainau, die 45 Hektar große Insel im Bodensee, ist ein wahres Paradies für Blüten und Pflanzen und natürlich auch für Menschen. Geöffnet ist die Insel von Sonnenauf- bis –untergang. Im Jahr 2011 tauchen Besucher in eine andere Welt ein, das Motto lautet „Auf Großvaters Gartenbank“.
Die barocke Schlossanlage ist eine Augenweide, der Bodensee verströmt schon ein wenig mediterranes Flair und die Orchideenschau im Palmenhaus, eine der wichtigsten in Europa, eröffnet traditionell das Blumenjahr. Mainau ist die größte Touristenattraktion am Bodensee.
Das Arboretum versammelt mehr als 250 Gehölzarten, darunter viele Exoten, auf dem Hochplateau der Insel und macht es zu einem einzigartigen Park. Immer wieder sind die beeindruckenden Baumriesen ein Erlebnis. Viele sind inzwischen über 150 Jahre alt. Die Mammutbäume hier waren eine der ersten, die Mitte des 19. Jahrhunderts aus Kalifornien importiert wurden.
80 verschiedene Arten von tropischen Tagfaltern aus Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika kann man beim Flattern durch das Schmetterlingshaus beobachten. Die Nachtfalter zeigen sich nicht immer und haben eine beeindruckende Flügelspannweite von bis zu 30 cm. Bei 90 % Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um die 30 Grad Celsius kommt Tropenfeeling auf. Sicher ein Höhepunkt des Tages auf der Blumeninsel. Der Großteil der Schmetterlinge wird als Puppe aus den Herkunftsländern importiert, die jede Woche in Mainau ankommen. Manche vermehren sich aber auch vor Ort, dann kann man die Entwicklungsstadien beobachten.
Palmengarten Frankfurt
Der Palmengarten in Frankfurt am Main ist die grüne Insel der Banken- und Versicherungsstadt. Ein Refugium, das Tagesgäste ebenso wie Jahreskartenbesitzer zu schätzen wissen. Auf Grund der vielen Gewächshäuser, die sich unterschiedlichen (exotischen) Themen widmen, ist die Anlage auch im Winter interessant. Von den ca. 30 Hektar machen die Schauhäuser rund einen aus.
Gegründet wurde der Palmengarten im Jahr 1868. Die Freie Reichsstadt Frankfurt und Hessen-Nassau wurde preußisch, und so gab Herzog Adolph von Nassau seine Residenz in Wiesbaden-Biebrich auf. Dort befand sich eine von ihm angelegte große Sammlung exotischer Pflanzen, die zum Verkauf angeboten wurde. Frankfurts Bürger schlugen zu, gründeten den Palmengarten und errichteten als Schutz das Palmenhaus, durch das man heute wie durch einen Dschungel streifen kann. Gartenbauarchitekt Heinrich Siesmayer entwarf den Landschaftspark.
Im Kakteengarten können Sie unter anderem herausfinden, was einen „Schwiegermuttersessel“ ausmacht und welche Vielfalt an Pflanzen sonst die Trockenregionen der Welt bevölkern. Die Häuser mit Pflanzen der Halbwüste, Nebelwüste, Savanne und des Dornwaldes bilden die Schauhausgruppe „Trockene Tropen“. Zu den „Feuchten Tropen“ gehören die Häuser mit Pflanzen des Monsun-, Tiefland- und Bergregenwaldes sowie der Mangrove.
Die Freifläche wird von Themengärten eingenommen, die im Sommer in den wunderbarsten Farben erblühen, in den Teichen sind verschiedene Seerosenarten zu bewundern, außerdem kann man auf dem Bootsteich auch seine Ruderkünste ausprobieren. Veranstaltungen wie Konzerte und Theateraufführungen finden ebenfalls im Palmengarten statt.
Schönbrunn
Den Grundstock zum botanischen Garten von Schloss Schönbrunn in Wien legte im Jahr 1753 Kaiser Franz I. Stephan. Er kaufte von der Gemeinde Hietzing ein vernachlässigtes Feld, auf dem er den „Holländischen Garten“ anlegen ließ. Unter den nachfolgenden Kaisern wurde der Garten vergrößert und neue Gewächshäuser errichtet. Ab dem Jahr 1828 wurde die Anlage zu einem Landschaftsgarten nach englischem Vorbild umgewandelt.
Ein Wüstenhaus, der Kronprinzgarten und ein Palmengarten sind hier ebenso zu finden wie perfekte Gartenarchitektur im Schlosspark. Schönbrunn ist die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Österreich und die beeindruckende Gartenanlage trägt ihren Teil dazu bei.
Der Garten „Am Keller“ mit seiner prunkvollen barocken Gestaltung wurde in den Jahren 2000 bis 2003 rekonstruiert. Das an Stickereien erinnernde Muster besteht aus Buchsornamenten, Blumenbeeten und Flächen mit verschiedenfärbigem Stein- und Ziegelsplitt. Den Rahmen bilden Rasenbänder mit Formbäumen aus Buchs und Eibe. Eingefasst wird er von einem hufeisenförmigen Laubengang, über den sich wilder Wein rankt, der an heißen Sommertagen Schatten spendet. Ein Ort, der schon seit jeher zum Lustwandeln genutzt wurde. Fünf Pavillons stehen hier und in der Mitte befindet sich ein moderner Aussichtspavillon.
Das große Palmenhaus beheimatet neben Palmen zahlreiche andere tropische Arten. Eine besondere Rarität sind die großen Palmfarne. Sumpf- und Wasserpflanzen können im Wasserbecken in der Mitte des Hauses bestaunt werden.
Schloss Trauttmansdorff
Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff bei Meran sind im Vergleich dazu eine sehr junge Einrichtung. Erst im Jahr 1994 wurde begonnen sie anzulegen. Früher war hier landwirtschaftliche Kulturlandschaft mit Weinbergen, Obst und Wiesen. Zum Teil war die Bewirtschaftung eingestellt worden und ist nun als botanischer Garten neu genutzt. Der natürlich gewachsene Flaumeichenwald wurde erhalten und so ergibt sich ein ebenso reizvoller wie fließender Übergang zwischen der umliegenden Landschaft und den intensiv gestalteten Gartenbereichen. Groß gewachsene Pflanzen wurden angekauft, um bereits der jetzigen Generation ein spannendes Gartenerlebnis bieten zu können. Die Bepflanzung des Steilgeländes mit bis zu 12 m hohen Bäumen war aufwändig und machte vielfach den Einsatz von Spezialmaschinen und Hubschraubern notwendig. Besonders gewichtige Exemplare (bis zu 5 t) mussten per Sondertransport angeliefert werden. Seit der Eröffnung der Gärten im Juni 2001 wird der Pflanzenbestand laufend erweitert und ergänzt.
83 verschiedene Gartenlandschaften aus der ganzen Welt werden auf 12 Hektar präsentiert. 5800 verschiedene Arten und insgesamt an die 700.000 Pflanzen gibt es hier zu sehen. Unterteilt sind die Gartenwelten in vier Landschaften: die Waldgärten, die Sonnengärten, die Wasser- und Terrassengärten sowie die Landschaften Südtirols.
Die Lage am Hang um das Schloss und das natürliche Amphitheater machen die Anlage einzigartig. Der Höhenunterschied beträgt über 100 Meter. Beworben wird die Anlage ganz unbescheiden als schönster Garten Italiens und tatsächlich ist sie zu einem äußerst beliebten Ausflugsziel avanciert.