Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, einen Kuhfladen als Mitbringsel oder Kunstwerk zu verschenken? Nein? Vielleicht sollten Sie das. Hinter dem profan-klingenden Ansatz verbirgt sich eine wohldurchdachte Philosophie. Fengtirolis-Gründer Wolfgang Eder über den schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn.
Die ungewöhnliche Geschäftsidee geht auf das Jahr 1992 zurück. Damals baute sich Eder einen Wohnzimmertisch. Zwischen die beiden Glasplatten wurde auf einem Netz ein Kuhfladen eingeflochten. Ein Versuchsobjekt, das bis heute bei ihm Zuhause in Verwendung ist.
Die Kuhfladen, mit denen alles begann, werden auf einer Alm in Zellberg im Zillertal auf ca. 1000 Metern Seehöhe gesammelt. Dort hat Eder eine Hütte gepachtet, auf der er in seiner Freizeit Natur und „heile Welt“ genießt.
Um an wirklich gute Kuhfladen zu kommen, braucht es bestimmte Witterungsbedingungen: „Wenn die Fladen frisch gefallen sind, müssen sie einige Tage trocknen. Regnet es, sind sie für mich nicht mehr zu gebrauchen“, schildert Eder. Inzwischen, lacht er, bekommt er sogar Anrufe von Menschen, die irgendwo in der Natur ganz besonders tolle Kuhfladen gesichtet haben und ihn darüber informieren wollen.
Nur die oberste Schicht wird mitgenommen, getrocknet und dann mit wasserlöslichem Klarlack behandelt. Obwohl das gar nicht sein müsste, denn ein trockener Kuhfladen riecht nicht und ist auch für Insekten nicht mehr interessant.
Ob die Idee, Kuhfladen zu verkaufen, anfangs ein wenig von Ironie getragen wurde? „Das kann man so sehen. Wirklich beleidigt bin ich aber, wenn sich jemand einen Fladen kauft und diesen dann am WC aufhängt. Er gehört zumindest über den Fernseher, am besten zwischen das Kruzifix und das Bild des Präsidenten. Es sind Kunstwerke, keine Scherzartikel“, erklärt Eder. „Ku(h)nst“ eben. Dementsprechend werden die Kuhfladen jahrgangsmäßig durchnummeriert und auch signiert.
Das Material habe ihn immer schon interessiert und seine Fantasie sei beinahe grenzenlos, sprudelt Eder vor Ideen. Kombiniert werden die Fladen mit Plüsch, Karo oder auch Blattgold.
Offen durch die Landschaft gehen, anderes Denken zulassen und die Kreativität von der Natur anregen lassen, das ist Eders Ansatz. Im Jahr 2007 platzierte sich das Team mit der Idee bei einem Businessplan-Wettbewerb. Ein echtes Tiroler Mitbringsel als Alternative zum Plastikkitsch und Krempel aus China, zum bayerischen Bierkrug, zu den Mozartkugeln wollten sie anbieten. Ein durchgeknalltes, aber authentisches Souvenir aus Tirol entstand. Auf einer Kreativmesse in Salzburg sind sie damit ordentlich aus der Reihe getanzt und haben die Blicke auf sich gezogen. Inzwischen lassen Hotels und Tourismusverbände individuelle give-aways fertigen. Würfel und Kugeln aus Zirbenholz beispielsweise.
Die Botschaft war klar: Ein echtes Stück Tirol zum Mitnehmen oder Verschenken, so natürlich und einfach wie möglich verarbeitet und aufgepeppt mit modernem Design. Dementsprechend sieht sich Eder als Naturdesigner, der nachhaltiges Ressourcenmanagement betreibt und Stoffe verarbeitet, die bisher ungenutzt blieben oder anders genutzt wurden. Neben Kuhmist sind das vor allem Rinde, Holz, Heu, Tannenzapfen oder Stein.
Heu wird z. B. in Plexiglasröhrchen gepackt. Das ist nicht nur nett anzusehen: Wenn einen die Sehnsucht nach den Tiroler Bergen packt, kann man den Stöpsel abnehmen, eine Nase voll davon einatmen und sich dorthin träumen.
Heute gibt es neben naturnahen Souvenirs und Fladen-Kunstwerken auch Gebrauchsgegenstände sowie Lösungen für den Interieur-Bereich. Intarsien aus Zirbenrinde werden so zur schmucken Wanddeko. Vasen und Teelichthalter aus Tiroler Felsen, Schlüsselbretter, Pinnwände aus Heu, Tische, Stühle und mehr hat Eder im Vorjahr neu kreiert.
Was ein durch die Welt reisender Kuhfladen so erlebt, können Sie unter www.blog.fengtirolis.at nachlesen.