„Hängematten für alle“, heißt es heuer am Vorplatz des Wiener Museumsquartiers. Ein nachhaltiges Haus als Kunstobjekt, in dem sich in mehreren Stockwerken insgesamt 30 Hängematten befinden, lädt Passanten zum Verweilen ein.
Direkt vor der U2-Station an der Mariahilfer Straße wurde das Flederhaus errichtet. Der Spruch „Es zieht wie in einem Vogelkäfig“ könnte darauf durchaus zutreffen, denn zwei Seiten dieses extravaganten Gebäudes sind komplett offen.
Fledermäuse oder andere Nachtgestalten hängen dort allerdings keine von der Decke, auch wenn der Name darauf schließen lassen könnte. Stattdessen wurden auf fünf Etagen 30 Hängematten befestigt, die frei zugänglich sind. Das Haus ist also für Menschen gedacht, die sich ein wenig hängen lassen und sanft schaukelnd das bunte Treiben in der Stadt beobachten oder vielleicht einfach nur ein Buch lesen wollen.
Idee und Entwurf kamen vom Architektenteam heri&salli (Heribert Wolfmayr und Josef Saller). Die beiden arbeiten seit dem Jahr 2004 gemeinsam an architektonischen, räumlichen und temporären Konzepten. Im Mittelpunkt der Entwürfe steht immer der Mensch als aktives Teil, der erst die Ursache dafür darstellt. So erreichen die Konzepte ihr Ziel auch erst in der Realisierung, wenn sie dem Menschen als Objekt gegenüber stehen. Durch den Menschen bekommen sie Sinn und Aufgabe.
Das Flederhaus sehen die Architekten als „gebaute Sequenz eines Stillstands, als Moment einer physischen Ruhe“. Die Idee dazu entstand im Jahr 2008 in Berlin. Mit dem Museumsquartier und Griffner – das Unternehmen plant und errichtet Fertighäuser mit hohen Ansprüchen an Architektur und Ökologie aus Holz - wurde sie nun umgesetzt.
Der öffentliche Raum, der in der vertikalen Sphäre eine Erweiterung zum „Mehrwertraum“ erfährt, reizte die Architekten besonders, wie Saller im Gespräch mit „immotion“ erzählt. Das Haus als Objekt, von den Fassaden gelöst und als in die Höhe wachsender Erlebnisraum konstruiert. 16 Meter misst das Gebäude bis zum First.
Ein gebautes Statement für Nachhaltigkeit am Bau hat Griffner damit geschaffen und will damit auch zum Nachdenken anregen. Denn das Haus ist aus Holz gebaut, das als nachwachsende, einheimische und umweltschonende Ressource eine Renaissance im Bereich des energieeffizienten, wohngesunden und ökologischen Bauens erlebt.
Das Museumsquartier hatte bereits mit den „Enzis“ neuartige, überdimensionale, bunte und bewegliche Stadtmöbel angeschafft, die zum Verweilen und „Abhängen“ einluden und sich äußerster Beliebtheit erfreuten. Damit wurde vor zehn Jahren auf die Kritik reagiert, dass die Höfe des neuen Museumsquartiers zu wenig belebt seien und kaum Sitzgelegenheiten böten. Die innovativen Enzis aus Kunststoff bevölkerten fortan den öffentlichen Freiraum und erhielten damals den Staatspreis für Design.
Bei einem Brand wurde der Großteil der Enzis zerstört und im Vorjahr durch die „Enzos“ ersetzt. Diese sind noch brandsicherer, haben ein neues Design und eine neue Produktionstechnologie. Interessenten können sie direkt im MQ-Shop bestellen.
Noch bis Oktober wird das Flederhaus am Vorplatz des Museumsquartieres zu besuchen sein. Dann soll es sich auf Reisen begeben, vielleicht bei einer Versteigerung den Besitzer wechseln, an anderen Orten „Momente benutzbarer Oberflächen“ bilden und ein Symbol für gebaute Nachhaltigkeit sein.