Sportstätten können viel mehr sein als nur zweckdienlich. Schön zum Beispiel. Architektonische Glanzpunkte der vergangenen Jahre zeugen davon. Immotion blickt unter anderem zur neuen Skisprungschanze auf den Holmenkollen in Oslo.
Stadien nehmen eine wesentliche Rolle im Stadtbild ein, das sie aufgrund ihrer Größe oft visuell dominieren. Sie dienen als Experimentierfelder für neue Konstruktionen und fördern so Entwicklungen im Bauwesen. Architekten wie Auftraggeber können sich so ein modernes „Denkmal“ schaffen. Sportveranstaltungen ziehen Menschenmassen an, haben eine wichtige gesellschaftliche Bedeutung und Fußballvereine erlangen mitunter sogar identitätsstiftende Funktion. Hinzu kommt der öffentliche Charakter der Gebäude, der eine breite Mitsprache erfordert.
Eine Ausstellung der Technischen Universität München hat sich im Jahr 2006 mit diesen Aspekten befasst. Nachlesen kann man das im unter dem Titel „Vom antiken Stadion zur modernen Arena“ erschienen Begleitbuch.
Für moderne Sportstätten werden wieder innovative wie wohltuende Wege der architektonischen Interpretation gesucht, gefunden und in der Umsetzung zugelassen, wenn auch mit Verweis auf die Kostenseite nicht immer alle Spielereien der Entwürfe verwirklicht werden. Renommierte Architekten haben die Planung anspruchsvoller Stadien übernommen.
Die neue Skisprungschanze am Holmenkollen wurde bereits im Jahr 2010 fertiggestellt. JDS Architects aus Dänemark haben sie zum Großereignis Nordische Ski-Weltmeisterschaft geplant und den Architektenwettbewerb für sich entschieden. Scheinbar nur auf einem Punkt sachte aufgesetzt, thront sie perfekt ausbalanciert auf dem Berg und sonnte sich im Scheinwerferlicht der WM, als wäre das ihre Selbstzweck. Die Feuerprobe hat die die Anlage meisterhaft absolviert.
Sie ist aber auch die derzeit modernste Sprungschanze der Welt. Gestaltet für die Bedürfnisse der Sportler, Sprungrichter und Zuseher, integriert in die Natur. Zeitgenössisches Design, in das auch der seitliche Windschutz eingeflossen ist, wird durch moderne Technik ergänzt. Die Konstruktion besteht größtenteils aus Stahl, ergänzt um einige Betonelemente. Teile der alten Anlage wurden in die neue integriert. Der schwungvoll geformte Stahlturm reicht 65 Meter in die Höhe. Hier befindet sich eine Aussichtsplattform.
Von Herzog und de Meuron stammt z. B. das Nationalstadion von Peking, das anlässlich der olympischen Sommerspiele im Jahr 2008 erbaut wurde. Als Kosename dafür hat sich aufgrund seiner Form sowie der auffälligen, verschlungenen Stahlfassade „Vogelnest“ eingebürgert. Ein Begriff, der in China äußerst positiv besetzt ist und so die Entscheidung für den Entwurf befördert haben dürfte. Wegen der hohen Rohstoffpreise wurde während des Baus ein wenig abgespeckt und auf einige Details, wie das „Schiebedach“ verzichtet.
Ebenfalls aus der Feder der bekannten Schweizer stammt die Allianz Arena in München. Es wurde 2005 als modernstes Fußballstadion Europas eingeweiht. Mit großer Mehrheit hatten die Bürger zuvor für den Bau des Stadions abgestimmt.
Die Fassade zieht die Blicke aus sich. Sie bestehen aus aufgeblasenen, transluzenten Folienkissen und kann so von innen über Projektion in verschiedene Farben getaucht werden. 66.500 m² überspannt die größte Membranhülle der Welt. Nur 0,2 Millimeter ist die Ethylen-Tetrafluorethylen-Folie dick. Die Haltbarkeit liegt bei 25 Jahren.
Die Bergisel Schanze in Innsbruck teilte das Schicksal mit der alten Schanze am Holmenkollen: Sie entsprach irgendwann nicht mehr den internationalen Standards. Zaha Hadid plante den Neubau, der 2002 eingeweiht wurde. Die in Bagdad geborene Architektin spielt gerne mit den Grenzen zwischen Architektur und urbanem Design und versucht diese zu überschreiten. Am Bergisel entstand, so Hadid, eine Kombination aus Turm und Brücke: Ein Betonturm und eine Stahlstruktur, die die Anlauframpe sowie den dreistöckigen Turmaufbau umfasst.
Die Sprungschanze ist ästhetisch eine sensible Landmark über der Stadt. Knapp 50 Meter hoch und 90 Meter lang, ausgestattet mit einem Cafe und einer Aussichtsplattform treffen hier eine sehr spezifische Sporteinrichtung und öffentlicher Raum aufeinander. Was unverändert geblieben ist, ist der spektakuläre Ausblick auf die Nordkette und den Wiltener Friedhof.