Ein frostiges Erlebnis wartet im Life Medicine Resort im steirischen Bad Gleichenberg. Bei minus 110 Grad Celsius kann hier gezittert werden. Warum man sich das freiwillig antun sollte? Weil es gegen Schmerzen hilft und außerdem Balsam für die Seele sein soll.
Das Zentrum beeindruckt auch mit moderner Architektur, die eine Synergie mit dem 20 Hektar großen Kurpark mit seinen Baumriesen eingeht.
Im Therapiezentrum wartet die modernste Ganzkörper-Kältekammer Österreichs. Ein wenig Überwindung kostet es schon, den Schritt in den minus 110 Grad Celsius kalten, kleinen Raum zu tun. So tiefe Temperaturen kommen auf der Erde natürlich gar nicht vor. Ausgestattet mit Wollsocken, Mütze, Handschuhen und Mundschutz, sonst aber möglichst nur mit Badehose oder Bikini bekleidet, kommt man sich zugegebenermaßen anfangs ein wenig lächerlich vor. So schlimm ist es dann aber gar nicht und damit auch sicher nichts passiert, muss man vorher zum ärztlichen Check antreten. Dann geht es zuerst für 30 Sekunden in eine minus 60 Grad kalte Kammer, dann für zwei bis drei Minuten in die absolute Kälte bei minus 110 Grad. Dort wandert man zirka zwei Minuten lang durch den kalten Nebel. Der Therapeut hält Sicht- und Gesprächskontakt.
Im medizinischen Einsatz beschleunigt die Kältekammer Regenerationsprozesse und zeigt gute Erfolge bei Sportverletzungen, rheumatischen Beschwerden und Entzündungen, Gelenks- und Wirbelsäulenerkrankungen, soll aber auch gegen Depressionen und Burn out helfen. Der Körper reagiert mit Überwärmung, erhöhter Sauerstoffzufuhr, verstärkter Durchblutung von Haut und Muskulatur und setzt anhaltend die Schmerzempfindlichkeit herab. Therapeutisch besonders wertvoll sind die harmonisierenden Langzeiteffekte. Dazu sind zehn bis 30 Anwendungen notwendig. Zudem wird die Leistungsfähigkeit über dieses „legale Doping“ kurzfristig gesteigert, weshalb auch Sportler die Kältekammer schätzen.
Eine Anwendung kostet 18,- Euro, ein Zehnerblock 150,- Euro.
Vor gut zwei Jahren wurde das neue Kurhaus samt 4*-Hotel eröffnet. Die norwegischen Architekten Jensen & Skodvin haben den preisgekrönten modernen Bau entworfen und ihn unmittelbar in den riesigen Kurpark integriert. Baumbestand und ein Bachlauf blieben dabei unangetastet – das war eine der Aufgabenstellungen. Verspielte Glas- und Holzfronten schmiegen sich in den Park ein, die vielfach organischen Formen sorgen für ein interessantes Wechselspiel zwischen Architektur und Natur. Park und Gebäude verbinden sich in einem gut gelungenen Zusammenspiel, gehen eine Synergie ein. Innen- und Außenräume gehen ineinander über. Vom Heilbad und den hölzernen Dachterrassen lässt man gerne den Blick auf dem historischen Park ruhen, taucht in die Natur ein und lässt die Seele zur Ruhe kommen.
Therapiezentrum, Heilbad, Hotel und Restaurant und sind im Gebäude vereint. Modern mit Designerstücken eingerichtete Räume sorgen für stilvolles Wohnen und genussreiches Dinieren. Klare Linien und ruhige Farben dominieren in den Zimmern.
Mit 175 Jahren kann Bad Gleichenberg auf die älteste Kurtradition der steirischen Thermen verweisen. Hier geht es nicht unbedingt um Wellness und Fun, sondern um Gesundheit. Für diese soll man schon etwas tun, bevor sich der Körper wehrt, meinen die Betreiber „better aging“ lautet das Motto, denn „anti aging“ existiere ohnehin nicht. Vor allem bei Atemwegs- und Hauterkrankungen hat sich das Kurhaus einen Namen gemacht. 50 Therapeuten arbeiten hier.