Simon Dale aus Wales hat sich ein Haus gebaut. Das allein wäre nun nicht wirklich etwas Besonderes. Allerdings: Er hat es in vier Monaten und um nur 3000 Pfund errichtet. Heimwerkerkönige und Selbermacher, die es jetzt in den Fingern kribbelt, erfahren von „immotion“ wie das geht.
Lassen Sie uns zuerst die Frage klären, wieso man so etwas macht. Dales simple Antwort: „Es macht Spaß“. Das alleine ist als Begründung aber wohl etwas dünn. „Es ist erfüllend, sein Leben auf seine eigene Weise zu leben. Träume zu leben hält die Seele am Leben“, ergänzt er. Der Traum des Naturfotografen und Grafikdesigners war eben ein „hausgemachtes“ Ökohaus.
Dale und seine Frau wollten ein nachhaltiges Haus, das sich gut in die Landschaft einfügt, aus natürlichen Materialien gebaut ist und keine fossile Energie verschlingt. Da die fossilen Energieträger zur Neige gehen, müsse man den Energieverbrauch eben eindämmen, so Dale. Freundlich betrachtet würde man die beiden wohl als „alternativ“, weniger freundlich vielleicht als leicht verrückt bezeichnen, denn in den kapitalistischen Mainstream passt das einfach nicht.
Sie hatten beschlossen Vollzeiteltern zu sein, solange die beiden Kinder noch klein wären. Geld war also knapp, ein Kredit stand nicht zur Debatte. Da bekamen sie dieses Grundstück in Westwales zur Verfügung gestellt, in dessen Umland sie an ökologischer Waldbewirtschaftung arbeiteten und eine Baumschule gründeten.
Kettensäge, Hammer und Meißel waren für die nächsten Monate Dales Hauptwerkzeuge. Viel mehr, erklärt er, brauche man gar nicht um ein Haus zu bauen. Helfende Hände nicht zu vergessen. Der Schwiegervater half ständig bei dem Projekt. Gelegentlich bekamen sie Unterstützung von Freunden oder Passanten. Zwischen 1000 und 1500 Arbeitsstunden ergab das insgesamt.
Das Ergebnis ist ein wirkliches Eigenheim, ein nachhaltiges Haus mit Persönlichkeit, das ein Leben in und mit der Natur ermöglicht, ein Unikat statt eines Massenproduktes von der „Stange“. Dale ist dabei keineswegs ein Baumeister oder Architekt. Selbstvertrauen und Ausdauer seien aber mitzubringende Fähigkeiten, meint er.
Zuallererst wurde der Baugrund vorbereitet. Das Haus sollte sich an den Hügel anschmeicheln. Was an Steinen und Erde abgegraben wurde, fand beim Bau selbst wieder Verwendung. An die 30 kleine Eichenbäume aus den umliegenden Wäldern bildeten den tragenden Rahmen für das Haus. Strohballen in Boden, Wänden und Dach bilden die Isolierung. Eine Plastikfolie befindet sich in Boden und Dach um vor Feuchtigkeit zu schützen. Kalkmörtel an den Wänden ist atmungsaktiv und verbraucht bei der Produktion weniger Energie als beispielsweise Zement. Wiederverwertet ist das für Böden und Möbel eingesetzte Holz. Fenster und einige andere Dinge kommen vom Müll.
Ein Holzofen im Haus sorgt für kuschelige Wärme, durch ein Dachfenster kommt natürliches Licht. Photovoltaikzellen am Dach garantieren die Stom-, eine nahe Quelle die Wasserversorgung. Das Regenwasser wird gesammelt und im Garten verwendet. Einen Kanalanschluss gibt es nicht, eine Kompost-Toilette erfüllt diesen Zweck.
Entstanden ist ein offener Wohnraum mit Küche, Raum zum Spielen für die Kinder und einem „Schlafzimmer“ auf der zweiten Ebene. Schuppen, Garten und Teich gehören ebenso dazu.
Als Permakultur-Ansatz bezeichnet Dale seinen Lebensstil: Es ist ein einfaches Leben in Harmonie mit der Natur und sich selbst, ohne unnötigen Schnickschnack, in dem die Dinge möglichst einfach erledigt werden und ohne übermäßig viel Technologie einzusetzen, wenn dies nicht notwendig ist. Er sieht darin nicht nur eine Chance auf nachhaltiges, sondern auf leistbares Wohnen. Und im Grunde auch die Möglichkeit, die Welt vielleicht doch noch vor der ökologischen Katastrophe zu bewahren.
Inzwischen ist einige Zeit vergangen und die junge Familie ist aus dem „Hobbit Haus“, wie sie es nannten, wieder ausgezogen. Allerdings nur, um ein neues Ökohaus auf einem Grundstück zu errichten, das ihr gehört. Es ist Teil des Lammas Projektes, dem ersten Ökodorf in Wales. Informationen dazu finden Sie im Internet unter http://www.simondale.net/house/index.htm.